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Google Analytics - Segen für Webmaster, Fluch für die Anwender?

Google bietet einen neuen kostenlosen Dienst namens Google Analytics, der vordergründig Webseitenbetreibern hilft, den Traffic auf Ihrer Website zu analysieren und besser zu verstehen. Dazu bietet der Dienst eine Reihe von aufbereiteten Berichten und Diagrammen auf einer durchgestylten Website. Dass dies gleichzeitig das dezentralisierte Tuning-Werkzeug der Google-Werbetechnik "Adwords" ist, was ihr höhere Trefferquoten und folglich Einnahmen beschert, ist nur die vordergründige Erkenntnis. Nicht nur werden die Webmaster hierdurch selbst zu Handlangern Googles, sondern alle Surfer, die Websites dieser Webmaster besuchen, werden im Hintergrund gemolken, indem ihre Daten gesammelt werden.

Das Google-Analytics-Script trägt den bezeichnenden Namen UrchinTracker (Schmuddelkinder-Sammler). Denn genau wie im Märchen läuft hier ein Rattenfänger durch Straßen des Web und sammelt den Dreck von der Straße. Und genau wie bei Müll handelt es sich dabei um ein unerahnt großes Geschäft.

Drei Zeilen, sie alle zu finden...
Einen kleinen Javascript-Dreizeiler auf seiner Seite einzubinden, ist alles, was ein Webmaster tun muss, um am großen Datensammeln teilzunehmen. Er erhält eine ID, die anscheinend fortlaufend vergeben wird. Danach gibt es aktuell ca. 2 Mio. Teilnehmer, jeder mit 1 oder mehr Websites am Start. Vorgabe ist, das Skript auf jeder Seite am Ende einzubauen. So wird sichergestellt, dass die Seite komplett geladen wurde, wenn die Informationen darüber an Google gesendet werden.

Was passiert am anderen Ende der Leitung?
Das Erstaunliche am Web ist, dass Informationen nicht nur von den Websites auf die Rechner der Surfer übertragen werden, wie man gemeinhin annimmt ("Das Web ist eine Art moderner Fax-Abruf"). Die Programme auf dem Rechner des Surfers senden unerkannt Daten, die Auskunft über den Zustand des Rechners geben und auch eine Wiedererkennung der Nutzeridentität ermöglichen, zurück ins Web. Dies ist u.a.

  • Betriebssystemversion, Browserversion, Sprache, Zeichensatz, Monitorauflösung, Farbtiefe
  • IP-Adresse
  • Letzte Webseite (Referrer Url)
  • Flash, Javascript, Java: Versionsnummer
  • Cookies (eindeutige Identifikation)
  • Letzte Suchwörter
  • Detaillierte Rechnungsinformationen (für Google Adwords-Kunden)
Das Script wird auf dem Rechner des Surfers ausgeführt, dort erfährt es alle Daten inklusive einer eindeutigen ID. Diese Daten werden übrigens nicht an den Websitebetreiber geschickt, sondern direkt an Google. Das kleine Javascript ruft nämlich eine Google-Url auf, bei der vordergründig das Bild __utm.gif angefordert wird. Dabei übergibt das Script zusätzlich alle gesammelten Informationen als nachgestellte Parameter in der Url. Der Google-Webserver speichert die "Payload", und liefert ein 1x1 großes weißes Pixel zurück. Diese Technik wird von vielen dubiosen Werbeanbietern genutzt. "Besser" als die Weblogs des Webseitenbetreibers kann Google dadurch erkennen, ob es sich um ein und denselben Benutzer handelt, da er nicht nur über die wechselnde IP, sondern über die von ihm gelieferte eindeutige ID identifizierbar ist.

Fazit
Es gibt keine Abhilfe vor den allgegenwärtigen Datensammlungen im Netz. Je mehr sich alltägliche Lebensabläufe und Wirtschaft ins Internet verlagern, desto mehr geht die Privatsphäre und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung den Bach herunter. Die aktuelle Diskussion um den Bundestrojaner ist verständlich, weil auch unsere Regierung gerne in den Besitz der Daten kommen würde, die wir der Wirtschaft™ längst täglich abliefern. Du surfst nicht allein.
(bw, 2007-05-12)