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Das Ende der Immobilienblase

Börsennotierte Aktiengesellschaften haben ein Problem: Sie müssen langfristig profitabler erscheinen als jedes andere börsennotierte Investment. Denn Investoren können Ihre Anteilsscheine in Minuten um den Globus dorthin verschieben, wo das Verhältnis von Rendite zu Risiko am größten ist.

Der Zwang zum überdurchnittlichen Geldverdienen treibt seine Blüten:

  • Pressemitteilungen mit dem Wahrheitsgehalt von Werbespots
  • Abstoßen kurzfristig nicht ertragreicher Unternehmensteile
  • Entlassungen trotz Rekordgewinnen
  • Geschönte Bilanzen
Das Ergebnis: Alles bewegt sich von Quartalsbericht zu Quartalsbericht immer mehr in Richtung heiße Luft.

Die Banken haben ein Mittel gefunden, um noch ein paar Jahre länger auf dem Gravy Train mitzufahren: Sie erschufen Produkte mit extrem hohen Renditen. Diese Art von Produkten war den kommerziellen Banken nach der großen Depression 1935 durch den Glass-Steagall-Act verboten worden, aber nach über 60 Jahren ohne den ganz großen Knall im Finanzsektor kam Ende der 90er Bewegung in die Sache: Bereits 1998 hatten Traveler Insurance und Citibank den weltgrößten Finanzdienstleister Citigroup erschaffen, entgegen der gesetzlichen Vorgaben des Glass-Steagall-Acts: Citigroup, die nun sowohl Investment Banking, Versicherung als auch kommerzielles Bankgeschäft zugleich ausübte, erhielt zwei Jahre Zeit, sich von seinem kommerziellen Bankgeschäft (Privat- und Geschäftskunden) zu trennen.

Aber mit Hilfe von $200 Mio. Lobbygeldern und $150 Mio. Politspenden und dem persönlichen Einsatz von Bill Clinton wurde das Glass-Steagall-Gesetz 1999 in Amerika aufgehoben. (Quelle: Henry C.K.Liu, Liquidity Bust Bypasses the Banking System)

Seitdem dürfen amerikanische Banken, die auf der einen Seite das Geld und die Rente von kleinen Privatleuten verwalten, Produkte mit entsetzlich hohen Renditen erschaffen und handeln. Nun, was ist daran schlecht? Zunächst nichts, aber eine hohe Rendite geht mit einem hohen Risiko einher, und diese extrem hohen Renditen erhielt man bisher nur in der Unterwelt. Jetzt wurden sie in der normalen Geschäftswelt benötigt, um die Aktienkurse zu stützen.

Wenn die Gewinne Jahr für Jahr steigen müssen, bleibt einem irgendwann nur entweder auszusteigen oder zu bluffen. Die Banken entschieden sich für letzteres. Insbesondere in Amerika wurde nach dem Platzen der Dot-Com-Blase (2000) das Geld auf den Immobilienmarkt losgelassen. Dazu muss man wissen, dass in Amerika viele Häuser mit 5 Dollar angezahlt werden, und die Bank dafür dem Durchschnittsamerikaner auf Lebenszeit doppelt und dreifach in die Tasche greift (durch den Zinseszinseffekt). Und so nebenbei hat sie natürlich das Haus selbst, sollte die Zahler einmal in Verzug geraten.

Die über beide Ohren verschuldeten Hausbesitzer erhielten durch den Liquiditätsboom am Häusermarkt immer bessere Angebote für Ihr Haus, oder schuldeten auf höhere Beleihungssummen um. Die persönlichen Verhältnisse spielten bei der Kreditvergabe immer weniger eine Rolle, denn die Banken verkauften ihre Kredite an Einzweckgesellschaften (ihre eigenen Strohmannfirmen), so dass die Kredite aus Ihrer Bilanz verschwanden, und unterminierten so die Liquiditätsrichtlinien der Bankenaufsicht. Durch diesen Bilanztrick konnten sie quasi unbegrenzt Risiken auf sich nehmen, wovon die Kunden nichts ahnten.

Die Einzweckgesellschaften (auch SIV, Special Investment Vehicle genannt) erstellten aus den Bankkrediten neue komplizierte Wertpapiere, und verkauften diese an Investoren mit gehörigem Risikoappetit. Die vertraglichen Details der neuen Wertpapiere erlaubten interessante Tricks, wie zum Beispiel das Austauschen der zugrundeliegenden Kredite durch schlechtere. Dies ist nun auch nichts, was man von einer ehrwürdigen Bank erwartete.

Solange die Immobilienblase durch immer neue Investoren und Neukunden gefüttert wurde, und Immobilien waren bis vor kurzem ein Selbstläufer, neudeutsch ein "No-Brainer", konnten hier Milliarden verdient werden.

Nur in letzter Zeit läuft das Geschäft etwas schlechter, seit immer mehr Menschen auf der Welt mitbekommen, dass die Amerikaner sich ihren Lebensstandard gar nicht mehr leisten können, auch den Krieg nicht und nicht das Erdöl. Und dass amerikanische Häuser überteuert sind. Die Banken mauern, denn jede hat noch Leichen im Keller, und darum ist das Vertrauen und die Liquidität weg. Wenn Deutsche-Bank-Chef Ackermann nun den Staat zur Hilfeleistung auffordert, ist das zum einen eine Bankrotterklärung, zum anderen eine Frechheit gegenüber dem kleinen Mann, der den Banken jahrelang treugläubig Zinsen und Erspartes abgeliefert hat.

Der neue Fed-Chef Bernanke wird spöttisch Helikopter-Ben genannt, weil er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln (d.h. Zinssenkungen und Aufkaufen aller faulen Bankprodukte) Geld in das Finanzsystem pumpt. Damit will Bernanke gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  • einem Austrocknen des Kreditmarkts vorbeugen
  • einer Rezession vorbeugen
  • der Welt beweisen, dass die Fed und das Greenspan-Konzept der Bubbles nicht versagt hat
Das Problem ist, dass die Fed nicht mehr Herr der Lage ist. Das Drucken von Dollarscheinen imponiert den Hauptlieferanten der USA, den Chinesen und der OPEC, nicht länger, und auch an den Börsen verpuffen die Maßnahmen innerhalb weniger Tage.

Auf dem von der Fed eingeschlagenen Weg geht das Vertrauen in den Dollar zugrunde, und die Dollar-Hegemonie wird beendet. Es war ein beachtliches Kapitel der Weltgeschichte, in dem die Amerikaner jahrzehntelang die Welt beherrschten, weil sie die Weltwährung beherrschten. Hoffentlich bleiben die Europäer stark und halten die Zinsen hoch, wenn die Krise in einem Jahr über den Atlantik zu uns schwappt. Gerade in Deutschland haben die Menschen bisher schlecht von der Globalisierung profitiert (trotz jahrelanger Rekordgewinne deutscher Firmen haben wir eine relativ hohe Arbeitslosigkeit). Ein starker Euro wird von der Wirtschaft gefürchtet, weil sich die Amerikaner unsere Produkte dann nicht leisten können. Aber wir Europäer werden im Moment als der neue sichere Hafen, auch für ausländische Investments angesehen. Das geht aber nur, wenn der Euro stark bleibt. Mal schauen, wie sich die Europäische Zentralbank verhalten wird.
(bw, 2008-03-22)