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Vorbereiten auf die Deflation

Dass uns eine Deflation bevorsteht, davon sind die Experten überzeugt [1]. Was kann man als Einzelner dagegen tun? So gut wie nichts, außer gegen die Politik auf die Straße zu gehen: Mißerfolg garantiert, dafür geht es den meisten Mitbürgern noch zu gut. Aber es gibt eine Strategie für den Einzelnen, wenigstens nicht so hart von den kommenden Ereignissen getroffen zu werden.

Harmlose Definition
Deflation wird als das "Fallen der Preise" (z.B. Wikipedia: Deflation) definiert. Von einer Stärkung der Kaufkraft der Konsumenten ist die Rede, die allen zugute käme. Müssen wir uns das so vorstellen: Die Preise fallen täglich oder stündlich, und die Käufer halten sich vornehm zurück, weil sie noch abwarten, dass alles noch billiger wird? Shoppingparadies also? Ich stehe gerade gedanklich im schwedischen Einrichtungshaus und spiele mit einem Bündel Scheine, während die blau-gelb gekleideten Bediensteten hektisch Preisschilder austauschen und Nullen von Designersofas und Schrankwänden aus Massiveiche wegstreichen? Wird mein Küchentraum in Granit endlich Wirklichkeit, alles Merkel sei Dank? Wohl kaum.

Deflation sieht eher so aus: Niemand, außer ein paar Privilegierten, hat Geld, jede Familie wirft in letzter Verzweiflung ihre verbliebenen Sachgüter auf den Markt, den Schmuck der Familie, das Auto, das eigene Sofa, und bekommt dafür nur ein Almosen. Und hier kommen auch die fallenden Preise: Für das erste Sofa gibt es noch 50 Euro, für das zweite Sofa nur noch 25 Euro.

Wie kann man sich nun darauf einstellen? Für die meisten Menschen in diesem Land ist es einfach: Gar nicht, wenn sie verschuldet sind, wenn die Preise für alle Güter fallen, insbesondere der Preis der Löhne. Wenn sie nicht sowieso längst entlassen sind, wird es für diese Menschen schwerer, die nominell gleichgebliebenen Schulden abzutragen, außer mit noch mehr Arbeit oder dem Verkaufen der Familiengüter s.o..

Menschen mit ausgeglichenem Vermögen haben eine Wahlmöglichkeit: Sie sollten Kredite jetzt zurückzahlen, auch auf Kosten von verzichtbaren Sachgütern, solange die Preise noch relativ hoch sind. Kredite, die noch weiterlaufen, sollten unbedingt auf feste statt variable Zinsen umgestellt werden, denn das Zinsniveau wird rapide steigen, wenn Banken überhaupt noch neue Kredite vergeben. Dabei darf man sich nicht von dem Zentralbankzins irritieren lassen, der künstlich niedrig gehalten wird. Die Banken werden Kredite nur noch unter wesentlich strengeren Auflagen (Sicherheiten) und mit wesentlich höheren Zinsen vergeben. Für viele Menschen wird sich der Kreditschalter für längere Zeit schließen. Auch die Jobs dieser Gruppe sind stark gefährdet oder von starken Einbußen bedroht. In Zukunft werden genug Menschen auf dem Arbeitsmarkt ihre Dienste anbieten. Wohl dem, der in der krisensichereren Konsumbranche arbietet, eine seltene Qualifikation besitzt, oder beides.

Den wenigen Menschen, die bereits heute von Kapitaleinnahmen leben, kann man nur gratulieren. Sie stehen jetzt auf der Sonnenseite des Lebens. Nun gut, auch sie mussten ihre Aktien verkaufen und haben dabei Geld verloren. Sie horten jetzt Bargeld und Gold, aber damit sind sie die einzigen, die von der Krise profitieren können, indem sie verzweifelten Familien schlechte Preise für ihre Güter vorschlagen werden, sobald deren Not grenzenlos wird (s.o.).

Nach zehn bis zwanzig Jahren Arbeitslosigkeit und einem völlig aus den Fugen geratenen Staatshaushalt kommt dann vielleicht noch ein Staatsbankrott, der auf einen Schlag alle Preise für Importwaren vervielfacht. Einfach mal gedanklich alles, was nicht Made in Germany ist, wegdenken, denn das wird dann unbezahlbar...mensch, selbst die Eier im Kühlschrank kommen aus Holland. Und die Eier der deutschen Hühner essen dann Ausländer, die mit richtigem Geld bezahlen...Zeit für einen Neuanfang.
(bw, 2008-10-19)

[1]:
Mike Shedlock: Industrial Bond Yields Strongly Support Deflation Thesis
Karl Denninger: Yes We Will (Have A Depression)
Nouriel Roubini: The world is at severe risk of a global systemic financial meltdown and a severe global depression
Günter Hannich: Deflations-Finanzkrise schlägt nun massiv auf die Realwirtschaft durch. Retten Sie Ihr Geld!